www.new-life-soundmagazine.com

 

Pop & Wave I Dark Electro I Industrial I Gothic I Anhalt EBM I N.D.W.

Electronic Body Music I Synth Pop I Aggrepo I New Beat seit 1983.

 

 

[ Start ] [ Infos ] [ Alle Ausgaben ] [ Interviews & Stories ] [ Techno Club ] [ Label ] [ CD-Sampler ] [ Merchandising ] [ Signierte Cover ] [ Radio ] [ Partys ]

 

KRAFTWERK : Mai 1987 - Heft 25

 

Ralf Hütter, Kopf der Band Kraftwerk gab sich an diesem Freitagabend im Münchener Hilton sehr jugendlich. Schwarz gekleidet mit Rollkragenpullover und zurechtgerückten Scheitel. Form wahren, schien seine Devise. Doch unter der Maske versteckte sich wie nicht unbedingt zu erwarten war, ein sehr sensibler, ja fast zerbrechlich anmutender Mann, der mit seiner symphatischen Art sehr beeindruckte. Obwohl er im Interview immer Antworten gab, die so schön in das Kraftwerk-Konzept passten, oder gerade deshalb kamen uns manchmal Zweifel, wie fest er von der verkündeten Meinung selbst überzeugt war. Doch das sind persönliche Eindrücke.

 

New Life : “Diese Frage wird Euch sehr wahrscheinlich immer wieder gestellt : Warum hat es fünf Jahre gedauert, bis wieder etwas Neues von Euch erschienen ist? - Deshalb frage ich andersherum : Was habt Ihr in den letzten fünf Jahren gemacht?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wir haben an zwei Projekten gearbeitet. Das eine war der “Tour de France” Song. Eigentlich war in diesem Zusammenhang ein Soundtrack zu einem Spielfilm geplant. Der Film ist aber verschoben worden. Beim zweiten Project handelt es sich um das Electric Café-Album.”

New Life : “Dann ist da also noch eine Langspielplatte unterwegs?”

 

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Jein, es existiert momentan nur die “Tour de France” Maxi und da der ganze Film in den Wolken steht, haben wir an dieser Sache noch nicht weitergearbeitet.”

New Life : “Das war doch nicht eure einzige Beschäftigung?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Nein. Als die ganze CD-Technik kam, haben wir viele Sachen neu aufgenommen. In dieser Periode zwischen ´81 und jetzt wurde bei uns auch sehr viel umgestellt. Das erklärt auch die lange Phase bis zur neuen LP, obwohl wir praktisch die ganze Zeit durchgearbeitet haben.”

New Life : “War dieser “Tour de France” Song eure eigene Idee, oder war es eine konkrete Auftragsarbeit?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Nein. Wir sind selbst grosse Radfans und da lag es nahe einen solchen Song zu komponieren. (ganz stolz) Ich habe übrigens das Schweizer Alpenprevet, das mit den vier Alpenpässen!
Damals war wie schon erwähnt ein Spielfilm mit Dustin Hoffmann gepalnt. Man hatte uns über eine Kontaktperson angefragt, ob wir nicht die Musik zu diesem Streifen komponieren wollen. Doch dann stieg Dustin Hoffmann aus und der Film wurde erst einmal verschoben. Die Single-Version unseres Liedes existierte jedoch schon und wurde dann als offizielle Erkennungsmelodie der “Tour de France” verwendet.”

New Life : “Ihr habt einmal in einem älteren Interview gesagt, dass Ihr alles selbst macht. Von der Musik über das Platten-Cover bis hin zum Video. Auf der neuen LP steht nun, dass die Computergrafiken vom New Yorker “Institute of Technology” stammen. Habt Ihr da auch mitgearbeitet?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja. Wir haben vor mehreren Jahren einen Bericht über dieses Computergrafik Institut gelesen und setzten uns mit diesen Leuten dort in Verbindung. Wir haben dann eine Künstlerin, die dort gestalterisch arbeitet, kennengelernt. Sie kannte bereits unsere Musik und es ergab sich dann eine Art kreative Symbiose.”

New Life : “Ihr seid Euch mit dem neuen Album sehr treu geblieben. Man merkt auch das sehr viel Arbeit und Überlegung dahintersteckt. Ist Euch noch nie die Idee gekommen, eine weniger durchdachte LP auf den Markt zu bringen, einfach des Geldes wegen? Also quasi ein Schnellschuss?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wenn wir das gewollt hätten, dann hätten wir das auch schon vor zehn Jahren machen können. Das ist für uns gar kein Thema. Wir arbeiten von morgens bis abends in unserem Kling-Klang-Studio und das Ergebnis unserer Arbeit kann man auf den Kraftwerk Platten anhören.”

New Life : “Das Kling-Klang-Studio ist euer eigenes ... .”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja, es ist nicht irgend ein standardisiertes Studio wo heute der und morgen ein anderer spielt. Bei uns läuft kein Taxameter im Hintergrund.”

New Life : “Ich kann mir vorstellen, dass man nicht so gestresst arbeiten muss, da ein eigenes Studio ja fast nichts kostet.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Natürlich müssen wir auch Strom und Miete bezahlen ... .”

New Life : “Aber das steht ja nicht in einem Verhältnis zu den normalen Studiokosten, wo man weiss, wenn man heute etwas nicht fertigstellt, dann hat man weitere fünftausend Mark verloren.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja das ist richtig. Wir haben unser Studio seit 1970 und es ist immer mit uns gewachsen. Das ist praktisch unsere Werkstatt. Es gibt auch immer was neues zu tun.”

New Life : “Während Eurer Absenz in den letzten Jahren ist musikalisch einiges gelaufen. Ich denke da an die “Neue deutsche Welle”. Ist das spurlos an Euch vorüber gegangen, oder habt ihr davon überhaupt Notiz genommen?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja, schon. Wir waren damals in Deutschland auf Tournee. Und überall spriessten neue Bands aus dem Boden. Aber irgendwie haben die alle nicht weitergemacht. In der Schweiz gab es ja auch Bands. Jede Welle flacht auch irgendwann wieder einmal ab, aber von dieser Welle ist anscheinend nicht mehr sehr viel übrig geblieben. Anscheinend sind alle wieder zurück ins Büro gegangen. Dabei waren ein paar wirklich gute Bands mit dabei. Aus der Schweiz kam ja diese Gruppe mit dem “Eisbär”-Lied.”

New Life : “Ja, die Gruppe Grauzone. Heute ist Stefan Eichler solo und hat grossen Erfolg in Europa, vor allem in Frankreich.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ach ja? Finde ich toll!”

New Life : “Es gibt viele Gruppen, die sagen, sie seien von Kraftwerk beeinflusst worden. Habt Ihr auch Gruppen, die Euch auf irgend einer Art und Weise beeinflusst haben?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Man kann nicht sagen, dass uns etwas einzelnes oder eine spezielle Band beeinflusst hat. Ich glaube am stärksten sind wir von unserer Umwelt, unserem Umfeld beeinflusst worden. Also von der Technik und den Psychischen Auswirkungen auf die Lebensformen. Natürlich auch von unserer Arbeit mit den Musikmaschinen. Viele unserer Lieder berichten tatsächlich von unserer Arbeit. Damit meine ich Songs wie “Taschenrechner”.”

New Life : “Hattet Ihr auch schon das “Aha-Erlebnis”, wenn ihr in Songs von anderen Gruppen Sequenzen aus Euren Liedern herausgehört habt?

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja. Wir finden das irgendwie toll zu beobachten, wenn Dinge, die wir gemacht haben plötzlich in der schwarzen Musik auch New York Früchte tragen. So war “Trans-Europa-Express” eine der Urscheiben des Rap. Und dann später diese Bambaataa und haben die “Metall auf Metall”-Musik in eine ganz andere Interpretation gebracht. Als Verschmelzung mit der schwarzen Rock-Musik. Das ist schon toll.”

New Life : “Aber Kraftwerk, der Name Kraftwerk ist für viele Bands eine lebende Legende. Empfindet ihr das nicht auch so? Wie lebt man als Legende? Es tönt jetzt vielleicht etwas blöd ... .”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wir arbeiten einfach immer weiter.”

New Life : “Habt ihr nicht Angst von der Zeit überholt zu werden? Bis jetzt seid ihr immer der Zeit voraus gewesen. Und nun gibt es viele neue, junge Gruppen, die vieles von Euch übernommen haben und sich auch selbst weiterentwickelt haben. Wie läuft das kommerziell?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wir haben einen festen Kreis von Leuten, die sich halt für uns interessieren. Natürlich sind das einmal mehr und einmal weniger, aber wir sind nicht von einem Bildzeitungs-Tagesereignis abhängig.”

New Life : “Das merkt man ja auch daran, dass Ihr fünf Jahre keine Platte herausgebt und dann trotzdem wieder so einen Erfolg haben könnt. - Eure Musik war sehr lange revolutionär. Gibt es heute Gruppen, wo Ihr sagen könnt, die ist revolutionär oder die beschreiten musikalisch einen neuen Weg. Oder fühlt Ihr Euch selbst als die neuen Wegbeschreiter?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wir reflektieren das nicht so. Wir stecken mittendrin in unserer Arbeit, bauen Instrumente um und bereiten Tourneen vor. Es kommt eines nach dem anderen. Natürlich fehlt da eine objektive Betrachtungsweise.”

New Life : “Habt ihr nie Angst an einem bestimmten Tag an ein Ende, einen Endpunkt zu gelangen?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ich glaube den gibt es sowieso nicht. Das haben wir auch versucht in unseren Texten auszusagen : “Es wird jetzt immer weitergehn, Musik als Träger von Ideen”. In diesem Satz steckt die Aussage, ein bisschen poetisch formuliert drin.”

New Life : “Wie wird es weiterghen? Ihr habt die Zukunft sehr früh als sehr technisch dargestellt. Das war ja auch vorauszusehen. - Doch dank dieser Technisierung gibt es für viele Leute keine Zukunft mehr. Ich denke da an die vielen Arbeitslosen in Europa.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ich sehe das nicht so. Das wäre eine depressive Grundstimmung, der wir nicht zustimmen können. Ich glaube es gibt immer wieder neue Wege.”

New Life : “Wo seht ihr die Lösungs-Möglichkeit für die Arbeitslosigkeit?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Das ist eine schwere gesellschaftliche Sache, natürlich. Aber ich glaube, dass ganz neue Tätigkeiten geschaffen werden können. Ein Grossteil der Tätigkeiten in der heutigen Arbeitswelt ist reproduktiv. Auf dem Musiksektor ist das jedenfalls so. Indem man diese Arbeiten automatisiert, können neue Energien freigesetzt werden. Man kann kreativer sein und muss nicht immer das Alte aufwärmen. - Es reicht doch, wenn von einem historischen Musikstück eine gute Aufnahme da ist. Wenn einer das hören will, dann kann er das. Es muss ja nicht jeden Tag wieder neu geprobt und aufgenommen werden. Diese ganze subventionierte Kultur ist doch Ballast. Was uns fehlt ist nämlich nicht das, sondern diese ganze Energie, die da in der Gegenwart fehlt. Wo ist die zeitgenössische kreative Musik? Warum hat jede Stadt ein Opernhaus und ein eigenes Orchester? Das hätte alles seine Berechtigung, wenn es einigermassen im Gleichgewicht mit der Veröffentlichung von zeitgenössischer Musik stehen würde. Aber es gibt nichts dergleichen. Und das ist schon ein Unterschied zu einer Stadt wie New York zum Beispiel, wo die Typen mit ihrer Drummaschine an der Ecke stehen und das Tagesgeschehen kommentieren, wo das alles irgendwie lebt. Wir haben auch immer versucht in unserer Musik die Zusammenhänge zwischen Technik und Leben aufzuzeigen. Bei “Taschenrechner” kommt das glaube ich recht gut zum Ausdruck. Viele Leute kennen den Taschenrechner eben nur um ihre Rechnungen damit auszurechnen oder die Bankbelege zu überprüfen, aber damit kann man auch Musik machen. Genauso mit Computern.”

New Life : “Ja, in New York ist das schon etwas anderes. Aber ihr kommt ja aus Düsseldorf. Hier bei uns in der Schweiz sagt man den Düsseldorfern übrigens eine gewisse Spontanität nach. Düsseldorf gilt ein bisschen als Szene-Stadt Deutschlands.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja, aber auch Köln. Das ist ein ganzes Einflussfeld. Amsterdam, Brüssel, Paris; wir sind da auch beweglich. Es ist also nicht so, dass man die Musik auf der Strasse findet, aber für uns ist es ein gutes Arbeitsklima, weil da auch ein gewisser Grauschleier ist.”

New Life : “Habt Ihr Kontakte in der Düsseldorfer Szene?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja, wir haben schon Freunde. Nicht nur im Musikbereich. Auch in Kunst und Wissenschaft. Wir sind eben auch viel unterwegs. Die Spezialisierung, dass Musiker nur Musiker treffen etc. ist sowieso langweilig.”

New Life : “Diese Bekanntschaften, sind das alte Freunde? Ich hab´ mal gelesen, dass Ihr durch Eure Arbeit viele Freunde verloren habt, weil ihr so extrem wart.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja das stimmt, wir haben nicht sehr viele Freunde, doch mit denen dafür ein sehr intensives Verhältnis.”

New Life : “Wenn Kraftwerk ein Maler wäre, wie würde er dann heissen? Könnte man vielleicht Warhol als ... .”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Das sind sicherlich Parallelen zu ziehen mit Reproduktion und Vervielfältigung. Da sind schon Tendenzen. Um Warhol hat sich ja auch immer ein Team gebildet.”

New Life : “Arbeitet Ihr auch im Team?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja. Es sind allerdings nicht immer vier Leute anwesend. Aber jeder ist mit etwas beschäftigt. Ich sitze hier in München und mache Interviews und der Florian bastelt in Düsseldorf am Computer herum. Das ist eine Art Arbeitsteilung.”

New Life : “Ihr seid vom Image her die Volltechniker. Der Glaube an die Technik ist bei Dir schon immer noch voll da oder gibt es für Dich in gewissen Bereichen nicht ein “zurück zur Natur”?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Das ist kein Glaube. Das ist der tägliche Umgang mit der Technik. Zum Beispiel mit diesem Kassetenrecorder, der jetzt mitläuft. Ohne den müsste ich langsamer sprechen oder jemand müsste unheimlich schnell schreiben. Es ist einfach eine Erleichterung. Man kann so schnell sprechen wie man will und das Gerät nimmt das auf. Wenn da immer einer mitschreiben müsste, gäbe das eine ganz andere psychische Situation.”

New Life : “Die Technik also als Freund des Menschen?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wir versuchen Möglichkeiten aufzuzeigen, wo die Technik nicht bedrohend wirkt. Waffen zum Beispiel : da steckt letztenendlich ein psychischer Impuls dahinter. Das entspricht auch den Menschen, die das herstellen. Ich möchte nicht wissen, von was die träumen. Wenn man von morgens bis abends Maschinenpistolen herstellt und dann abends von Edelweiss träumt. Das möcht´ ich erst noch wissen.
Und deshalb versuchen wir mit einer kreativen Technologie zu arbeiten. Eine Technik, die die Kreativität akzeptiert.”

New Life : “Du träumst also noch vom Edelweiss. Die Technik ist für Dich nicht traumbestimmend?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja durchaus. Musik hängt ja mit Klängen zusammen. Ich kann auch vom Echo vom Königssee träumen.”

New Life : “Bei Eurer Musik muss man darauf schliessen dass das Edelweiss digitalisiert ist, oder das Echo maschinenbeeinflusst ... .”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Du meinst wie eine Plastikblume?”

New Life : “Ja, vielleicht.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja das wär´ auch O.K., wenn es eine gute Plastikblume ist. Man wünscht sich ja eine neue Kreativität. Und die gibt es auch mit Plastik. Es gibt ja Leute, die damit sehr tolle Sachen machen. Von Kleidung bis hin zu Möbeln. Ich glaube schon, dass man da eine Art Symbiose herstellen kann. Wir versuchen auch so zu arbeiten. Es gelingt vielleicht nicht immer.”

New Life : “Dann ist für Dich Elektronik nicht kalt?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Nein, nein. Das ist ein Vorwurf, der immer wieder kommt. Nein, der Synthesizer ist das sensibelste Instrument, das es überhaupt gibt. Von 20 bis 20.000 Herz. Es gibt kein anderes Instrument, das diese Bandbreite hat.”

New Life : “Woher kommt dieser Vorwurf? Ich habe schon mit verschiedenen Gruppen darüber gesprochen. Jeder wehrt sich gegen diese Aussage. Aber ist denn Kälte etwas schlechtes? Kann Kälte nicht auch schön sein?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Kälte kann es nur geben, wenn es auch Wärme gibt. Ich wehre mich nur dagegen, wenn man sagt, dass Elektronik keine Gefühle ausdrücken kann.”

New Life : “Das ist eben das konservative im Menschen.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ich glaube dass das vorprogrammierte Verhaltensmuster sind. Da müssen die Leute irgendwie ihren Chip verändern. Das sind ja auch Denkvorgänge, die aus bestimmten Erziehungsmustern resultieren. Ich glaube, man muss sich eine bestimmte Art des Staunens wieder angewöhnen.”

New Life : “Stellt Ihr Eure Musik immer noch selbst her? Kauft ihr keine “Ton-Klänge” gespeichert auf Diskette? Habt Ihr Euch auch ein Synklavier angeschafft?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja, so eins haben wir auch. Aber unsere alten Sachen stehen immer noch herum. Wir werfen nichts weg. Die Klänge der alten Synthesizer kommen auch immer wieder vor in unseren Liedern.”

New Life : “Ihr habt einmal gesagt, dass die Gitarre für Euch ein Instrument aus dem 16. Jahrhundert ist und sie auch dorthin gehört. Ihr vertretet die Meinung, dass man damit keine zeitgenössische Musik machen kann. Wir haben nun aber das Gefühl, dass auf “Sex-Objekt” auch Gitarrenklänge mit drauf sind, wenn auch in gesampelter Form. Ist das kein Wiederspruch?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Nein, es sind alles Synthesizer. Es sind vielleicht schwingende Klänge die an Gitarrenseiten erinnern. Mit der Gitarre meinen wir auch nicht nur die Klänge allein sondern die ganze Lebenshaltung, die dahinter steckt. Die Gitarre im Arm und diese Posen. Bei den Engländern heisst die Gitarre ja auch Axt. Oder bei Prince stellt das so eine Art Riesenpenis dar. Es hat da so psychologische Aspekte und das meinen wir damit.”

New Life : “Ihr sagt, dass ihr immer alles selbst macht. Auf “Sex-Objekt” hört man nun eine Frauenstimme. ist das jetzt eine verfremdete Stimme von Euch oder doch eine echte Frauenstimme?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Es sind mehrere echte Frauenstimmen, irgendwelche Geräusche und Wortfetzen in verschiedenen Sprachen?”

New Life : “Ihr macht also Sampling?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja schon lange?”

New Life : “Seit wann?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Seit “Autobahn”, als ich mein VW aufgenommen habe. Das ist ja dasselbe, ob ich das nun normal oder digital aufnehme. Wir haben auch Sprachcomputer, die männliche und weibliche Stimmen vollsynthetisch herstellen können. “Musique Nonstop” zum Beispiel wird vollsynthetisch gesungen. Der Computer singt.”

New Life : “Wenn man Kraftwerk hört, dann bringt man das irgendwie mit einer deutschen Perfektion in Zusammenhang. Ist das ein gewolltes Image oder ist das auch eure Lebenshaltung alles perfekt und sauber zu machen?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Das ist auch ein Bestandteil unseres Lebens. Wir haben unsere Musik auch schon als Volksmusik aus dem Rhein-Ruhrgebiet betitelt. Und wenn wir dann in Tokyo oder Chicago spielen, dann wir uns bewusst, dass wir es nicht leugnen können in Düsseldorf aufgewachsen zu sein. Es ist Teil unserer Existenz. In Deutschland wir so vieles geleugnet, weil da historische Vorbelastungen da sind. Wir haben damit nichts zu tun. Das ist einfach unser kultureller Background.”

New Life : “Ich stelle mir einen Amerikaner vor, der Eure Musik hört. Ihr passt vollkommen in das Bild, das er sich von einem Deutschen macht : der kühle Arbeitsmensch. Düsseldorf ist ja im Ruhrpott.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja am Rande. Düsseldorf nennt sich das Büro des Ruhrpotts. Es zieht sich mitten durch die Stadt. Eine Hälfte ist noch Büro, die andere Hälfte sind dann schon Produktionsstätten.”

New Life : “Es hat zuerst geheissen, die LP heisse Techno-Pop. Es ging da so ein Gerücht um ... Hattet Ihr Angst mit diesem Titel abgestempelt zu sein?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Nein, wir gehören ja dazu. Es war mehr ein Arbeitstitel und dann haben wir das mit “Electric Café” in eine andere, weichere Form gebracht. Wir wollten das Ganze nicht zu stark betonen.”

New Life : “Eure Musik von der ersten LP bis heute wurde immer perfekter. Wie geht es weiter? Ist überhaupt noch eine Steigerung möglich?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja, ich glaube es fängt gerade erst an. Das Gefühl haben wir immer. Als müssten wir jetzt gleich erst anfangen. Wir kommen uns immer wie Schüler vor, die noch so vieles zu lernen haben. Es ist ein riesiges Feld, das sich uns auftut.”

New Life : “Wie sieht das bei Euch live aus?” Könnt ihr alles live spielen, oder arbeitet ihr mit Backing-Tapes?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Nein, wir spielen unser Instrument, das ist unser Kling-Klang-Studio. Das sind so verkabelte Komponenten, die wir mit auf Tour nehmen.”

New Life : “Wie wird Eure Show aussehen? Werdet ihr wieder als Roboter auftreten? Zusammen mit euren Puppen?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Die Puppen werden jedenfalls wieder mit dabei sein. Die lösen sehr positive Gefühle aus und stehen auch bei uns im Studio im Nebenraum und werden immer begrüsst. Sie sind immer präsent und wurden auch schon abgeküsst. Wenn wir auf Tour gehen, dann verpacken wir sie liebevoll in unsere Reisekoffer.”

New Life : “Wie eine kleine Familie ... .”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja. Die Puppen machen auch Fotos. Das stellt uns dann wieder frei. Während das Studio ausgeleuchtet wird, können wir etwas sinnvolleres tun als dastehen. Die Puppen sind auch viel geduldiger als wir.”

New Life : “Habt ihr das Gefühl, in England mehr akzeptiert zu werden als in Deutschland?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”England ist zumindest sehr offen, ich glaub´ schon ja. Aber in Deutschland ist es auch gut. Es hat sich vieles gewandelt in den letzten 5-6 Jahren.”

New Life : “Und in den USA?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Da ist es noch besser. Auch in Japan.”

New Life : “Japan und Kraftwerk gehört für mich sowieso irgendwie zusammen. Ihr habt ja auch schon japanische Sachen gemacht.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”In Düsseldorf sind unheimlich viele Japaner. Wir haben einen japanischen Freund und der hat uns dann “Taschenrechner” auf japanisch übersetzt. Er hat uns auch assistiert, damit wir das einigermassen aussprechen konnten. Das tönt dann ungefähr so : “Boku-wa on gaka honga”. Ich kann nicht japanisch. Florian kann das viel besser als ich.”

New Life : “Wie läuft das eigentlich mit den Sprachen?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wir haben dafür unsere Sprachcomputer. Man kann einfach die Chips austauschen und schon spricht er englisch, französisch oder auch schwedisch. Aber manchmal reicht die Zeit nicht um alles auszuprobieren. Mit der Sprache ist es nicht immer so einfach. Sprechen können die Computer schon sehr gut, doch wenn es um die Betonung geht, wird es relativ aufwendig. Es müssen bestimmte Dinge beachtet werden. Aber künstliche Sprache ist schon kein Problem mehr. Man kann ganze Chöre singen lassen und es tönt alles sehr gefühlvoll. Die singen in einer Reinheit ... . Der Computer hat immer eine totale Hingabe bei seiner Arbeit. Das würde man sich bei manchen Musikern wünschen. Der Computer macht das mit einer Art Zärtlichkeit.

New Life : “Habt Ihr den Computer so weit gebracht, dass er so gut singen kann?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja, zusammen mit einem Techniker. Der bastelt auch jetzt noch weiter an dem System, damit der Gesang auch rhythmisch aktiv ist, damit die Intonation stimmt.”

New Life : “In wie weit arbeitet Ihr noch selbst an Euren Maschinen?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wir arbeiten noch viel daran und dann hilft uns immer unser Techniker. Er sagt uns auch ob unsere Vorstellungen verwirklichbar sind oder was man sonst noch machen könnte.”

New Life : “Wann geht´s auf Tournee?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Sicherlich noch dieses Jahr.”

New Life : “Kommt ihr auch in die Schweiz.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Bestimmt! Ich freue mich schon! Ich war schon in Lugano und Andermatt.”

 

 

12" LP : Electric Café

12" LP : German Kraft

12" LP : Radio-Aktivität

12" : Neonlights

 

 

 

 

Alle signierten Kraftwerk Vinyl-Cover : [ HIER ]

 

 

KOMMENTARE :

 

 

 

KONTAKT :

 

 

 

COMPILATION : CD/Download

 

New Life - 13 Years Of Electronic Lust


01. Laibach - Geburt einer Nation 4:20
02. Front 242 - Quite Unusual 4:57
03. Chris & Cosey - Driving Blind 5:50
04. Moev - Wanting 6:22
05. Skinny Puppy - The Choke 5:00
06. Click Click - I Rage, I Melt 6:27
07. Die Krupps - Machineries Of Joy 6:31
08. Mussolini Headkick - Your God Is Dead 3:52
09. Numb - Hanging Key 6:15
10. Psyche - Brain Collapse 4:08
11. The Klinik - Cold As Ice 6:11
12. Front Line Assembly - Landslide 4:45
13. Cassandra Complex - One Millionth Happy Customer (EBM-Mix 1994) 6:00
14. Nitzer Ebb - Let Beauty Loose 2:23
15. Severed Heads - New Life 4:07

[
ZUM SAMPLER ]

 

MERCHANDISING :

 

 

T-Shirts, Longsleeve Shirts, Hoodies,
Sweat Shirts, Muscle Shirts, Bags,
College Jackets, Girlie Shirts, Tank Tops,
Longsleeve Woman Shirts, Woman Pullover in jeder Größe : [
ZUM SHOP ].

 

TECHNO CLUB :

 

Technoclub Frankfurt Dorian Gray


[ ALLES ZUM TECHNO CLUB ]

 

RADIO PROGRAMM :

 

Radio Programm useres Partnerradios "Radio Body Music" : [ HIER ]


Alle Radio-Shows :

- Im Rhythmus bleiben (Electronic Body Music, Anhalt EBM, Aggrepo).

-
Italo Disco (Italo Disco, Euro Disco.)

-
Maximal Minimal (Minimal Synth, Minimal Wave, Coldwave, ...).

-
Mixed Pickels (Dark Electro, Synth Pop, Electro Pop, Minimal Electro, ...).

-
Music For The Masses (Depeche Mode : live, remixes, original songs and cover-versions).

-
New Beat - Dit is Belgisch! (New Beat).

-
Pop & Wave (Electronic 80s, Synth Pop, Electro Pop, Future Pop, Coldwave, Darkwave, Gothic, Electronic Body Music).

-
Synthetic Electronic Sounds (Synth Pop, Electro Pop, Future Pop, ...).

-
Tanz mit dem Herzen (Neue Deutsche Welle, Minimal, Flexi Pop).


Hört das Radio auch bei :
Phonostar, iTunes/Mediaplayer, iPhone/iPad,
radio.de, Android, Windows Phone.

 

 

 

 

 

 

[ Impressum ] [ Datenschutzerklärung ]