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CLOCK DVA : Juli/August 1993 - No. 7

 

Interview Termin mit Clock DVA im Hamburger Freibank-Office um 18.00 Uhr. Dass sich der professionell aufgestellte Interview-Zeitplan bereits verabschiedet hatte, konnte ich noch nicht ahnen, als ich mich den Toren der Hansestadt näherte. Verdammt, es hatte auf den Elbebrücken seit mindestens einem halben Jahr keinen Stau mehr gegeben; wieso ausgerechnet heute? Nachdem sich auch noch die Hausnummern gegen mich verschworen hatten (Hamburger Logik : der Nummer 62 folgt die Nummer 174!), wirkten die Zeiger meiner Uhr wie zwei mahnende Zeigefinger : “18.30 Uhr, mal wieder zu spät!”. Den Tränen nahe gelangte ich nach einem Hürdenlauf über abgestellte Fahrräder und Plattenkartons endlich ins Büro. Ein merkwürdiges Bild bot sich mir. Anstelle des wartenden Adi Newtons traf ich auf einen Pulk von Schreibern diverser Magazine, die um den Arbeitstisch der Angestellten Jutta geschart waren und mit mal mehr oder weniger vorhandenen männlichen Charm für den nächsten Interview-Part bettelten. Man hatte mich nicht bemerkt (1,72 m Körpergrösse können auch von Vorteil sein!). Ich schlich ins Hinterzimmer, wo mich ein Augenpaar erwartungsvoll anstarrte. Nein, ich war nicht derjenige, der frisch aufgebrühten Tee bringen sollte. “Solche Interview Tage können ganz schön grausam sei”, stöhnte der von dreissig Grad Zimmertempertur gebeutelt Adi Newton. “Ich weiß”, sagte ich und entlockte ihm dennoch ein paar Antworten.

 

Lars Rhode / New Life : “Zusammen mit dem eher trance-artigen, ruhigen uns sphärischen Album “Sign” ist auch kürzlich die Maxi “Voice Recognition Test” erschienen, die im Gegensatz zum Album doch sehr kraftvoll, treibend und tanzbar ist. Habt ihr “V.R.T.” nicht auch als Auskopplung gewählt, weil sie sich vom Hörer leichter erschließen lässt als andere Stücke und sich somit auch relativ gut verkaufen dürfte?”

Adi Newton / Clock DVA : “Wie du schon gesagt hast, durch das Tempo ist es ein sehr rhythmischer Song geworden. Ich halte ihn für eine gute Einführung in dieses Album. Es bringt einen leichter an solch Tracks wie “Pool Of Shades” oder “Return To Blue” heran.

 

Da ich selber nicht soviel tanze, kann ich nicht sagen, ob es ein ausgesprochener Dance-Track ist, aber wenn man dazu tanzen kann, ist das natürlich großartig. Wir haben “V.R.T.” aber nicht unbedingt dafür konzepiert. Aus meiner Sicht ist es einfach nur ein energiegeladener, pushender Song.”

Lars Rhode / New Life : “Dem Album ist auch ein von dir verfasster, kleiner Essay beigefügt, der sich - sehr grob umrissen - mit Randthemen der Raumfahrt und der Erforschung des Weltalls befasst, somit gewissermassen auch das Konzept von “Sign” verdeutlicht. Gibt es so etwas wie eine grundlegende Idee, die dieser Abhandlung zugrunde liegt?”

Adi Newton / Clock DVA : “Nicht unbedingt eine grundlegende Idee, vielmehr eine ganze Reihe von Ideen und Fragen, die aufgeworfen werden. Sicherlich geht es hauptsächlich um den Entwicklungsprozess der Menschheit, der ja immer schneller abläuft. Sachen, wie die Apollo Missionen, haben ja nicht nur alte Ideen verwirklicht, wie z.B. “Nach den Sternen zu greifen”, sondern auch neue Wege aufgezeigt, eine Bewusstseinsänderungen hervorgerufen.  Neue Möglichkeiten eröffnet, auch den “inner Space” zu erforschen. Ich denke dabei an so Sachen, wie Cybernetic. Andererseits geht es in dem Text auch um eine notwendige Verknüpfung von Spiritualität, sie ist ein Mittel zur Unterstützung. Denn letztendlich steht ja der Mensch und dessen Spiritualität im Vordergrund.”

Lars Rhode / New Life : “Gut. Aber wenn der Mensch im Vordergrund steht, wie konntest du dann im Vorgänger-Album die Idee eines “Man Amplified” aufwerfen; ein Mensch, der sich sozusagen der “Idealform” der Maschine annähert?”

Adi Newton / Clock DVA : “Nein, mit “Man Amplified” wollte ich nicht ausdrücken, dass der Mensch ausgetauscht bzw. zu solch einer gemacht werden sollte. “Amplified” stand für eine Weiterentwicklung der Gedanken, der Psyche. Alles, was wir tun, ist eine Weiterentwicklung. Der Mensch lernt und wächst somit : Zeichnen, Malen, Schreiben, Denken - alles das Erweitern des Geistes. Du kannst es meinetwegen auch durch “Man Amplified” ersetzen. Diese Weiterentwicklung in unserer Kultur ist schon so alltäglich geworden, dass wir sie gar nicht mehr bemerken. Wenn du im Auto fährst, denkst du normalerweise auch nicht darüber nach, dass es entwickelt wurde, um dich schneller voranzubringen. Der Prozess läuft immer schneller ab, und das ist es im Prinzip auch, worum es bei “Sign” geht. Das Nutzen der Technologie, aber auch das Wiederentdecken geistiger Dinge. Das Fernsehen z.B. war ein enormer Fortschritt. Aber bei all diesen Sachen fehlt etwas : die geistige Seite, die Gefühle - letztendlich das, was einen Menschen auszeichnet, spirituelle Wahrnehmungsmöglichkeiten, Mystik.”

Lars Rhode / New Life : “Bei geistigen Werten und Inhalten gebe ich dir Recht, aber Mystik berührt doch schon sehr die Frage des Glaubens, der religiösen Einstellung, wenn du willst.”

Adi Newton / Clock DVA : “Es ist keine Frage des Glaubens! Mystik existiert! Es ist ein grundlegender Teil unseres Lebens.”

Lars Rhode / New Life : “Dann geh doch mal auf die Straße und frag ein paar Leute diesbezüglich. Ich bin mir sicher, viele würden hierzu was ganz anderes sagen. Die meisten sind für so etwas leider nicht empfänglich.”

Adi Newton / Clock DVA : “Sicher. Lass sie darüber sagen, was sie wollen. So denken sie jetzt, aber wenn sie im Sterben lägen und sich mit ihrem bevorstehenden Tod abfinden müssten, würden sie sich ganz sicher mit mystischen Ideen befassen - woher sie kommen, woher sie gehen, was sie nach dem Tod erwartet usw. Im alltäglichen Leben wirkt dies alles so weit entfernt. Sie sind in den Vorstellungen der Gesellschaft verfangen. Aber es gibt etwas, was unser Leben überdauert, eine Art “Intelligenz”, die schon vorhanden war, bevor es den ersten Menschen gab, und die es auch noch geben wird, wenn die Menschheit verschwunden ist. Ich meine damit jetzt keine fucking Alien Forces, sondern ein alles umfassendes, existentes “Etwas”.

Hiernach driftete das Gespräch immer weiter ab und behandelte letztenendlich auch noch Themen wie Realität. Was ist Realität?  Für Adi ein recht einfach zu definiertes Wort : Alles, was du dir vorstellst oder was du denkst, ist real bzw. kann zu dem werden, was wir Realität nennen.

Lars Rhode / New Life : “Ich denke, wir sollten nochmal auf die Musik zu sprechen kommen. Glaubst du, dein bzw. Clock DVA´s Musikstil hat sich im Laufe der Zeit verändert, weil sich auch deine Ansichten verändert haben, oder wäre es für dich denkbar, z.B. wieder Free Jazz Elemente zu verwenden?”

Adi Newton / Clock DVA : “Ja, schon. Es steht bei einem Lied ja immer eine bestimmte Idee oder ein Thema im Vordergrund. Und wenn diese so etwas erforderlich machen, warum nicht? Bei “Sign” passte eine elektronische Umsetzung einfach. Sie ist dafür der optimale, musikalische Rahmen.”

Lars Rhode / New Life : “Wie setzt du deine Ideen in der Musik um? Benutzt du bestimmte Mittel und Effekte, um die Songs nach deinen Vorstellungen und Überlegungen anzurichten?”

Adi Newton / Clock DVA : “Ich versuche oft, für den Track etwas spezifisches miteinzubringen. Beim jetzigen ALbum haben wir dafür Aufnahmen von Sky-Labs, Satelliten und Abhör-Teleskopen verwendet. Durch Modifizieren sind daraus wieder ganz neue Klänge entstanden. Viele Lieder fangen auch mit einem Sample an, um beim Hörer ein ganz bestimmtes, zu dem Song passendes Gefühl auszulösen.”

Wer die seit 16 Jahren bestehende Band kennt, die inzwischen zum Duo geschrumpft sind, wird wissen, dass hierbei oftmals ein kühler Unterton eine Rolle spielt. Doch aufgrund ihrer Herkunft aus der Industrial-Schmiede Sheffield ist dies auch nicht weiter verwunderlich. Dabei war die Band-Vergangenheit immer wieder von Rückschlägen geprägt. Bandauflösung und der durch eine Überdosis Heroin verursachte Tod des Gründungsmitgliedes Steven James Turner im Jahre 1982 sind nur zwei Beispiele hierfür. Die mittlerweile zum zweiten Mal gecancelte Tour wirkt dagegen eher minder dramatisch. Trotzdem bleibt offen, dass sie - wie Adi sich äusserte - im Herbst anlaufen wird (mit einem Jahr Verzögerung!). Denn “Sign” bietet nicht nur akustische Faszinationen, sondern auch die Grundlage für ein vielversprechendes Live-Konzept.

 

 

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New Life - 13 Years Of Electronic Lust


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04. Moev - Wanting 6:22
05. Skinny Puppy - The Choke 5:00
06. Click Click - I Rage, I Melt 6:27
07. Die Krupps - Machineries Of Joy 6:31
08. Mussolini Headkick - Your God Is Dead 3:52
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14. Nitzer Ebb - Let Beauty Loose 2:23
15. Severed Heads - New Life 4:07

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