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INTERVIEW MIT BERND KUCHINKE :

 

Über Bernd Kuchinke den Kasselern viel zu erzählen ist eigentlich kaum nötig, da jeder der in den 80ern und 90ern in dieser Stadt jung war und in Diskotheken wie “New York”, “Kunstbunker”, “Prigogine” oder der “Factory” ihre Freitage und Samstage verbrachte,

zwangsläufig direkt oder indirekt mit ihm zu tun hatte, da er in diesen Locations als DJ tätig war.


Der Geist dieser Locations wird seit einigen Jahren erfolgreich im Kasseler "Theaterstübchen" mit Pop & Wave der 80er, Electronic Body Music, Aggrepo, Synth-Pop, Gothic, Coldwave, ... aus der Zeit mit der "Eighties Plus"-Party weitergeführt (siehe Flyer links).

Wem immer die gleichen nervigen Lieder auf solch Parties zum Hals raushängen und musikalischen Mist wie “99 Luftballons” oder “König von Deutschland” definitiv nicht mehr hören möchte, ist auf der “Eighties Plus”-Party bestens aufgehoben und sollte es nicht bereuen ein Mal im Monat auch einen weiteren Weg auf sich zu nehmen.

New Life sprach mit ihm über die Zeit in den 80er und 90er Jahren, sowie über seine Party im "Theaterstübchen", die es wert ist einem größeren Publikum außerhalb Kassels präsentiert zu werden.

 

 

 

New Life : "Du bist in den 80er Jahren von Bielefeld nach Kassel gekommen. Wie fing es damals mit Deiner DJ-Laufbahn in Kassel an?"

Bernd Kuchinke : "Ich hatte schon Anfang der 80er während meines Studiums in Münster und Bielefeld aufgelegt und in Bands gespielt (die man wohl heute als Post Punk bezeichnen würde (so ein bisschen wie „Fehlfarben“). Von meinem Bruder, der in Kassel lebte, erfuhr ich dann das im New York ein DJ gesucht wurde. Ich wollte eh wieder zurück nach Kassel und bekam dann auch den DJ Job im “York”.”

New Life : "Ich selber hatte Dich musikalisch zum Ende der 80er im "New York" in Kassel kennengelernt. Was die Musik anging war das eine unfassbar intensive Zeit. Damals gab es ja kein Internet, sondern der DJ war ja der, der neue Musik spielte und den Besuchern jedes Wochenende eigentlich seinen eigenen Musikgeschmack aufdrückte. Wie fühlte es sich an, so eine "Macht" zu haben und den Musikgeschmack der damaligen Zeit und der damaligen Jugend zu formen?"

Bernd Kuchinke : "Na ich habe ich immer eher mit den Leuten verbunden gesehen, weniger als Partydiktator. Die Idee des Clubs abseits des Mainstreams als sozusagen als soziale Plastik. Ein geschützter Raum in dem wir zusammen feiern zu unseren Regeln. Aber klar, es ist unglaublich schön wenn Du auflegst und den Flow hast und die Leute bewegst, “It´s magic!”. Und in diesen prä-digitalen Zeiten war die Musik noch viel wichtiger für die Kids als heute. Es gab noch Jugendkulturen die sich über Musik und den ganzen modischen Codes die dazu gehörten definierten. Du hattest als seriöser DJ natürlich auch einen Vorsprung wenn du dich, wie ich, als eine Art „ Botschafter“ im Sinne von Indie gesehen hast. Ich bin ständig in Plattenläden rumgehangen, bin nach Amsterdam, Frankfurt oder London gefahren um den besten und coolsten Scheiben in den besten Plattenläden zu kaufen. Und das Feedback war immer unglaublich. Und klar : ein gutes Gefühl Teile einer Generation musikalisch beeinflusst zu haben."

 

New Life : "Ein gutes Beispiel dessen was ich meine ist die Band "History Of Art" mit ihrem Song "I Love You". Das Lied lief 1988/1989 in Kassel hoch und runter und ob man es glaubt oder nicht war dieser Synth-Pop Song bekannter als irgendein Depeche Mode Song.
Ich erinnere mich noch gerne an den legendären Auftritt im "New York" vor über 700 Zuschauern (laut deren Facebook Seite!) im Mai 1989. Der Song wurde dann auch später auf den Depeche Mode Parties im "Spot" in Kassel gespielt, aber wenn man z.B. auf anderen Depeche Mode Parties in Deutschland war und sich den Song wünschte schauten die DJs nur fragend und kannten dieses Lied gar nicht. Wie kam es zu dem Erfolg in Kassel und zu dem Auftritt? Im übrigen kursierte damals auch die qualitativ schlechte X-te Kopie der Kopie von der Kopie des Live-Mitschnitts, den die Band selber nicht hat und noch heute händeringend sucht. Hast Du da ggf. selber einen um ihn der Band weiterzuleten?"

 

Bernd Kuchinke : "Leider nein. Aber das war schon ein Phänomen. Diese Band tauchte auf, hatte diesen einen überragenden Hit und verschwand dann wieder. Ich weiß nicht mehr wie der Kontakt zustande kam, aber „ I love you“ war schon ein Hit im “York” und irgendwie nur bei uns. Die standen schon an der Schwelle zu was ziemlich Großem. Warum es letzlich nicht geklappt hat vielleicht so einen Status wie Camouflage oder Alphaville zu bekommen, weiß ich auch nicht. Aufgrund meiner eigenen Erfahrung im Musik Biz würde ich vermuten es ist auch immer das alte Ding : Du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und die wichtigen Leute kennen. Sonst kannst Du die beste Musik der Welt machen und keiner wird dich hören. Bei mir war es zB. Torsten Fenslau mit ich dem über die Bookings für die Factory gut befreundet war, und so manche Flasche Fernet Branca nach Feierabend geleert hatte. Torsten wollte meinen Bruder und mich für ein großes Clubprojekt in Darmstadt anheuern und mich für Abfahrt Records signen. Und dann kam dieser verhängnisvolle Unfall …. und alles war vorbei!”

 

New Life : "Ich könnte mir vorstellen dass im Falle von “History Of Art” der dramatische Wechsel von einer Synth-Pop Band zur einer gitarrenlastigen Band die Fans abschreckte.
Du hattest zum Ende der 80er ein gutes Synth-Pop Projekt namens "The Dancing Zone". Warum blieb die 1989 erschienene EP "The Twilight Mixes" die einzige Veröffentlichung und wie kam es dazu, dass diese Scheibe bei Black Fantasy Records erschien, welches ja ein Label von dem Plattenladen "Scheibenbeisser" aus Kassel war, das aber bis auf euch eher gitarrenlastige Bands wie The Bates, Haunted Henschel, The Eleventh Plague, Crazy Cats, ... veröffentlichte?"

Bernd Kuchinke : "Das war auch ein persönlicher Kontakt zum Labelchef der unser Zeug ganz cool fand und es waren ja auch fast alles Kasseler Projekte.”

 

The Dancing Zone

New Life : "Auf dem Bild links sieht man neben Dir auch Axel Baum, der später im Stammheim in der Salzmann Factory als DJ wirkte. Wer sind denn die anderen zwei Personen auf dem Bild und was machen die heute?"

Bernd Kuchinke : " Das sind Kai Borchardt, zu dem ich schon lange keinen Kontakt mehr habe und Stefan Bayer mit dem ich aktuell unter Kuchinke & Bayer wieder ganz viel mache was sehr in Richtung Synth Pop geht.

Wenn es Eure Leser interessiert : googelt das mal unter Kuchinke & Bayer. Es gibt unsere Tracks überall zu hören (Spotify, iTunes) oder zu kaufen (Amazon, Beatport).

Wir arbeiten viel mit diversen Sängern aus zB.Hambug , Spanien und München zusammen. 

 

Und auch mit Dirk Krause der vor allem durch die Armeggedon Dildos bekannt war, der für uns einige schöne Remixe gemacht hat . Zum Beispiel diesen hier : https://hearthis.at/qggbkjny/kuchinke-bayer-feat-inma-fnal-happy-faces-ferrochrome-mix/. Auf meiner hearthis.at Seite gibt es viele aktuelle Tracks und Mixes zu hören. Auch die Kuchinke & Bayer Sachen hier : https://hearthis.at/qggbkjny/.”

 

New Life : "Ich möchte Dich auf zwei Events ansprechen, die mir aus Deiner Zeit im "New York" und im "Kunstbunker" hängengeblieben sind :

Eines der wohl eindrucksvollsten Konzerte war zum Ender der 80er das Konzert von Anne Clark. Anne schien wohl etwas missmutig gewesen zu sein, dass sich das Publikum eher beiläufig ihrerm Konzert widmete und sich die Leute lieber untereinander unterhielten. Die Leute waren schokiert als sie von der Bühne her verkündete "Wenn jetzt keiner tanzt, breche ich das Konzert ab". Das Publikum war schlagartig still und die Stille wurde dann von einem lauten Ruf unterbrochen : "Kein Wunder bei deinen suizidgefährdenden Texten!" Das Publikum platzte vor lachen, war plötzlich entspannt, Annes Hals wurde deutlich kleiner und es ging weiter so als ob nie was gewesen wäre. Wer war damals für solche großartigen Events zuständig? Hattest Du als DJ ein Mitspracherecht, war es alleine der Locationbesitzer oder eine Mischung aus beiden?"

Bernd Kuchinke : "Konzeptionell waren das die 4 Leute die den Laden betrieben haben, zu denen ich neben dem Auflegen, auch gehörte. Ich war sozusagen der Musikbeauftragte der Vorschläge für die Bookings machte. Entscheidende Unterstützung fanden wir dabei von einer Konzertagentur namens S-Cord, die im Rahmen unserer Clubausrichtung und in Absprache mit uns Konzerte bei uns reinbuchte.”

New Life : "1987 gab es ein Konzert, was legendär wurde. Psyche trat im Kunstbunker auf. Warst Du da involviert? Darrin Huss lebte je etwas später dann auch einige Zeit in Kassel. Hattet ihr in seiner Kasseler Zeit zueinander Kontakt?"

 

Bernd Kuchinke : "Ja, das war ein Konzert von S-Cord in Absprache mit uns. Vor dem Konzert, beim Soundcheck und auch danach hatten wir einen tollen Abend. Aber darüberhinaus gab es keinen Kontakt.”

New Life : "Wie kam es zu Deiner DJ Tätigkeit im "Kunstbunker"? Der "Kunstbunker" wurde ja zu einer “documenta” eröffnet. Das war ein merkwürdiger Laden in dem sich neben normalen Leuten auch viele Gothics, Punker, Skins und Hip-Hoper rumtrieben."

Bernd Kuchinke : "To cut a long story short : Es hatte viel mit der “documenta” 1987 zu tun. Über einen Künstler kam der Kontakt mit dem Betreiber des „Tivoli“ zustande, der damals in den Räumen des Kunstbunkers einen üblen Laden, ein sogenanntes „Bierdorf“ betrieb. Der war pleite und offen für Konzepte um das das Ruder herumzureissen. Der Künstler wollte eigentlich nur eine Galerie während der “documenta” aufmachen, aber nach etlichen intensiven Gesprächen kam die Idee auf Kunst & Club zu fusionieren. Subkultur traf auf Hochkultur. Und wir wurden tatsächlich mit diesem Konzept von den Massen überrollt. So bis Mitternacht war das eher eine Teeny Disco und ab 12 kamen dann die “Creatures of the night”.
Ein wahrhaft bunter Haufen und in dieser Form wohl einmalig in der Clubhistory. Live Höhepunkt war dann ein Konzert der Einstürzenden Neubauten während der “documenta”. Nach einem knappen Jahr wurde dann das Ding an Leute aus Hanau verkauft, die es noch einige Zeit als Kunstbunker betrieben. Aber das war dann eher ein Fake-Bunker.

New Life : "Anfang der 90er machte sich langsam ein Wandel in der Musik breit. Während sich einige Bands aus den 80ern weiterentwickelten, meinten andere sich zum Anfang der 90er komplett neu erfinden zu müssen. Was Depeche Mode ab "Songs Of Faith And Devotion" ab 1993 wurde, hatte nichts mit Depeche Mode inklusive bis zur LP "Violator" mehr zu tun, weder optisch noch musikalisch, Die Krupps wurden ab 1992 zu einer peinlichen Metalband, Front 242 läuteten ebenfalls ab 1993 mit "05:22:09:12 Off" und "06:21:03:11 Up Evil" ihre Tekknophase ein.

War dieser musikalische Umbruch ebenfalls ein Grund, warum aus dem Standpunkt eines Besuchers auch plötzlich das "New York" auf ein anderes Konzept setzte und damit die "alte" Klientel aus den 80ern vor den Kopf stieß?"

 

Bernd Kuchinke : "Das war kein Masterplan oder so. Das hatte sich so entwickelt. Ich hatte nie Probleme den Weg auch mit Techno und House weiter zugehen. Im Gegenteil : ich fand diese neue Kultur inspirierend und hatte nie Pobleme das mit Wave und so weiter zu verbinden. Aber ich kann schon verstehen das viele das so empfunden haben und mit diesem neuen Ding nicht viel anfangen konnten. Da gab es schon einen gewissen “Culture Clash”. Aber kommerzielle Überlegungen spielten da definitiv keine Rolle. Im Gegenteil : es war in dieser Zeit eher ein Risiko das Spektrum zu erweitern, denn Techno war da noch längst nicht so ein Massending wie später Mitte der Neunziger. Aber es war tatsächlich vielleicht ein Fehler es so krass zu machen und nicht wenigstens an einem Tag in der Woche das „alte“ Konzept weiter zu fahren.”

New Life : "Ich besitze zwei digitalisierte 120 Minuten MCs, die ein Freund damals im "Prigogine" mitschneiden ließ. Das war 1990. Ich liebe diese Mitschnitte, denn da ist kein schlechtes Lied drauf! Da sind Haufenweise Aggrepo Projekte drauf : Umo Detic, Master Program, Scope, ... EBM : Front 242, Nitzer Ebb, Bigod 20, ... Synth Pop : Depeche Mode, Marc Almond, ... . Ein absoluter Hammer! Erzähl doch mal bitte etwas über Deine Zeit als DJ im Prigogine und warum auch die Zeit im Prigogine endete."

Bernd Kuchinke : "Der damalige Besitzer des Prigo hat meinen Bruder und mich angeheuert nachdem mit dem Kunstbunker Schluß war. Der Laden lief nur äußerst lausig und man hatte das alte Klientel vom  „Yello“ (dem Vorgängerladen vom Prigo, in den 80igern eine Institution abseits des Mainstreams in Kassel und Treff aller Subkulturen) vergrault. Meinem Bruder und mir gelang es dann wieder Kredit zurück zu gewinnen und das neue Prigo Publikum mit dem alten Yello Publikum zu versöhnen. Neben dem Clubabenden gab es dann auch zahlreiche legendäre Live Konzerte u.a. mit den “Happy Mondays” oder den “Lords Of The New Church”. Als DJ war das auch eine coole Zeit, denn so einen Sound gab es nur im Prigo und da war abseits des Mainstreams viel möglich. Da waren wir schon weit vorne. Zum Schluss gab es aber dann vermehrt Nervereien mit dem Betreiber der uns immer mehr reinlaberte. Da war es Zeit zu gehen.”

New Life : "Dein Bruder hat ja dann die "Factory" eröffnet, in der Du ja auch der DJ am Samstag warst. Wie kam es dazu?"

Bernd Kuchinke : "Es waren mehrere Leute die die Factory möglich gemacht haben. Neben meinem meinem Bruder und mir und zwei Partnern vor allem der Verein “Kulturfabrik Salzmann“ die auch die Konzession für die Räume hatten. Mein Bruder und ich (er als Geschäftsführer und ich als DJ und „Creativ Director“ ) wollten ein unser eigenes Ding machen. New York oder Prigo (beim Kunstbunker war das anders, da waren wir auch Mitbetreiber) haben wir ja im „Auftrag“ der Betreiber gemacht. Ein befreundeter Künstler brachte uns mit dem Kulturverein zusammen und nach der ersten Besichtigung der Location war für uns klar : Ja , das ist es. Das ist really großstädtisch und kann mit jedem coolen Club in der Repuplik mithalten. Liebe auf den ersten Blick. Vor allem die Möglichkeit Clubkultur in allen Facetten auszuleben und mit der Kulturfabrik auch eine Plattform für Theater , Tanzfestival und Live Konzerten zu bieten.”

New Life : "Die "Factory" war mir von allen vier Discotheken die liebste und ich verbrachte viele Jahre sehr gerne in ihr. Mir gefiel auch der Freitag sehr gut, wo der Dirk Krause von den Armageddon Dildos auflegte. Ich hatte mich mal vor einiger Zeit mit Claus Larsen von Leaether Strip unterhalten und er erzählte mir dass sein erstes Konzert ausserhalb Dänemarks in der Factory in Kassel gewesen ist und da 500-700 Leute gewesen seien. Dieses Konzert ist ein absolutes Mysterium, denn ich selbst als EBMler war nicht da und auch keiner meiner damaligen Mitstreiter, denen ich das erzählt hatte dass Leaether Strip in Kassel gespielt hatte war dagewesen. Es ging tatsächlich vollkommen an EBMlern aus Kassel und aus Göttingen, die sich später dann im Spot sammeln mussten komplett vorbei. Weisst Du irgendwas über dieses mysteriöse Konzert?"

Bernd Kuchinke : "Das kann eigentlich nur während der documenta 1992 gewesen sein. Da waren wir sogar offizieller Danceclub der “documenta” und mein Bruder und ich stehen im Katalog der “documenta” (Grins). Da gab es an mehreren Sonntagen (!) Konzerte in diese Richtung und es kamen Leute aus Frankreich Benelux, Schweiz, Österreich. Konkret an Leaether Strip kann ich nicht erinnern – in diesen Jahren ist soviel passiert, ich hätte das alles mal besser dokumentieren müssen, bin in dieser Beziehung leider eine ziemliche Schlampe (Grins!).”

 

 

New Life : "Es gab mal ein Event in der "Factory" wo Du mit "The Dancing Zone" gespielt hattest. An dem Abend waren auch die "Armageddon Dildos" live zu sehen und auch Talla 2XLC war da. Erzähl doch mal etwas über dieses Event."

Bernd Kuchinke : "Ja das hat extrem Spaß gemacht. Das kam durch Dirk Krause zustande und Talla war auch sehr angetan. Talla hatte wohl der Aspekt gut gefallen das wir uns da live nicht allzu ernst genommen hatten. Er hat mich dann nach Frankfurt ins Dorian Gray eingeladen und wir sollten eigentlich auch auf seinem Label releasen. Aber letztendlich war das heiße Luft und es kam nie dazu.”

New Life : "Wenn mann die Treppen in der Salzmann Factory hoch zum Club stieg kam einem schon ein ganz besonderer Geruch in die Nase, der eine Mischung aus den altehrwürdigen Gemäuer und dem leckeren Gerüchen aus dem Sortiment des Dönermannes, die gute Musik, die man als logische Fortführung dessen sehen konnte, was man aus dem "New York", dem "Prigogine" und dem "Kunstbunker" her kannte und liebte. Irgendwie fühlte man sich in der Factory "daheim". Es ging vielen so. Es gab Leute die keine Minute verpassen wollten. Was bedeutete Dir die Zeit in der "Factory" bis zur musikalischen Neuorientierung hin zum Tekkno?"

Bernd Kuchinke : "Diese Jahre war schon ein Traum und für mich das Highlight in meinem Clubleben. Diese Mischung aus Club, feiern und kulturellen Aktivitäten kam schon ziemlich dem Ideal das ich von einem Club habe sehr nahe. Vor allem auch der „Familienaspekt“. Wie ich vorher schon sagte : der Club als sozialer Raum wo Du geschützt ein anderes Leben haben kannst. Zumindest für eine Nacht. Weit mehr als nur in die Disco zu gehen. Und es gab immer diese Verbundenheit zwischen unseren Gästen. Wir haben das auch gefördert indem wir jeden Monat eine kleine Clubzeitung machten und verteilten.”

New Life : "Eines der traurigsten Momenten in meinem Leben war, als sich die Musik in der "Factory" schleichend veränderte. Das begann für mich aus der Sicht eines Besuchers damit, dass man am Freitag die Musik änderte uns als Erklärung verkündete : "Freitags lief es nicht!". Da ich aber jeden Freitag da war, kann ich es nicht im entfernetesten bestätigen dass es "nicht lief!". Dann kam das Techno-Übel! Am Anfang war es noch nicht klar wohin es lief, da wir noch aus der Prigogine Zeit durch den Aggrepo (der ja auch Frankfurt-Techno hieß) noch verwöhnt waren. Wie du vielleicht weisst, gab es eine hauseigene Zeitung des Technoclub/Dorian Gray aus Frankfurt namens Frontpage. Zu Beginnn war die Zeitung vollkommen auf EBM und New Beat eingeschossen und der Begriff "Techno" wurde für diese Musikrichtungen genutzt. Einer der Mitarbeiter des Frontpage (Jürgen Laarmann) entlehnte den Begriff Techno aber dann für die aufkommende House und Tekknoszene aus Berlin und er wurde dann für diese Art Musik weiterverwendet. Bedingt durch den "Electronic Body Music" Sampler von 1988 nuntzte mann dann erst diesen Begriff für das was bis dahin "Techno" war.
Irgenwann gb es in der Factory die ersten Techno/Tekkno-Partys wo sich Leute in Grobstaubschutzanzügen, Gasmasken und Staubsaugern auf dem Rücken sehen ließen. Wir fanden das damals noch "witzig" aber dann merkten wir dass sich etwas veränderte, wie einige Jahre zuvor in dem "New York" was wieder gegen die "alten" Besucher ging. Als dann DJs wie Mate Galic usw. in der Factory auflegten, war es dann Zeit zu gehen und die einzige Disco, die die von uns gewöhnte Musik spielte war das schmuddelige "Spot". Warum kam es zu diesem Musikwechsel?"

Bernd Kuchinke : "Wie ich auch schon vorher sagte : das war kein Wechsel der aus bewusst kommerziellen Aspekten oder so stattfand. Ich war selber von von dieser neuen Kultur infiziert und die war Teil meines Lebens. Ich hatte und habe kein Problem alles Mögliche, sei es New Wave, Synthpop, Indiepop, EBM, Techno, ... zu leben. Alles ist der Soundtrack meines Lebens. Ich war nie Teil einer bestimmten Szene, obwohl mir zB. die Waveszene immer eine der Liebsten war. Aber ich verstehe das schon, das diese Entwicklung für Dich damals nicht nachvollziehbar und enttäuschend war. Aber ich stehe hier für mich und es war „mein“ Club und da mache ich was ich will.”

 

New Life : "1992 gab es in der Factory noch wirklich legendäre Veranstaltungen im Rahmen der Dokumenta. Bands wie Deine Lakaien, Tommi Stumpff, Love Is Colder Than Death, ECO, Placebo Effect, Pankow, Armageddon Dildos, ... .

Warst Du da irgendwie involviert?"

Bernd Kuchinke : "Ja, ich habe schon den Rahmen definiert und die Konzertagentur S-Cord (wie schon im Kunstbunker oder Prigo) hat dann die Bookings gemacht.

Die waren auch sehr musikaffin und hatten Ahnung was interessant und gut ist, hatten die Connections.

Wir haben immer sehr eng zusammen gearbeitet.”

 

New Life : "Kann man es so sagen, dass Deine seit einigen Jahren laufende "Eighties Plus"-Partys im "Theaterstübchen" in Kassel eine Art "Best of" aus der guten Zeit des "New York", des "Prigogine", des "Kunstbunkers" und der "Factory" der Musikrichtungen Pop & Wave der 80er, Coldwave, Gothic, Electronic Body Music, Aggrepo, Synth Pop und Inditronics sind? Ich finde es bei Dir seh gut, dass Du je nach Anzahl von diversen Besuchergruppen die Musik auch dementsprechend anpasst."

Bernd Kuchinke : "Ja, das hast Du sehr gut zusammen gefasst. Das Plus übrigens steht dafür das ich auch aktuellere Sachen, die aber zum Geist dieser Musik passen, miteinbeziehen möchte. Es werden aber schon zu 80 / 90 Prozent die Originale gespielt und es ist ja der Hammer wie diese Musik aus den 80igern noch heute so präsent und einflussreich ist. The Neverending Eighties ! (Grins) Für mich sind die 80iger nach wie vor viel interessanter als z.B. Die Neunziger.”

New Life : "Gerüchten zufolge stehen einige Neuerungen zu der "Eighties Plus"-Party, die jeden 4ten Samstag im Monat stattfindet, in Aussicht. Live-Veranstaltungen mit Bands die die Art von Musikstilen machen, die auf der anschliessenden "Eighties Plus"-Party gespielt werden? Das ist eine großartige Idee ...!"

Bernd Kuchinke : "Ja, ich denke schon das man noch so einiges mit dem Format entwickeln kann. Konkret ist noch nichts , aber wir bleiben dran.”

 

New Life : "Vielen Dank für Deine Zeit für das umfangreiche Interview."

Bernd Kuchinke : " Ich danke New Life für das tiefgehende Interesse das mich dankenswerter Weise mal wieder auf einen Trip in meine eigene Biographie geführt hat.”

 

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Nächste “Eighties Plus” Parties im Theaterstübchen Kassel :

27. April 2019. [
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25. Mai 2019. [
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22. Juni 2019. [
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